Es ist erfreulich, dass sich die Mediation als Alternative zur gerichtlichen Auseinandersetzung auch in den Medien immer mehr durchsetzt. Nun betrifft es die letzte große Aufregung in der deutschen Medienlandschaft. In der letzten Ausgabe der ZEIT wurde im Dossier ausführlich über den Streit im Verlagshaus Suhrkamp berichtet. Dabei geht es im Kern um die Rechtmäßigkeit der Übernahme des Verlags durch die Hamburger Investorengruppe Grossner und Barlach. Der Verkauf der Aktien des Verlagshauses sei abhängig von der Zustimmung der Teilhaber. Die Mehrheitsgesellschafterin Ulla Unseld-Berkéwicz habe die Aktien nicht angeboten bekommen und sei mit dem Verkauf auch nicht einverstanden. Die Hamburger Investoren Barlach und Grossner sind der Auffassung, sie seien durch den Kauf der Holding nicht an das Zustimmungserfordernis gebunden und hätten die Anteile nur mittelbar erworben. Diese rechtliche Frage der Zulässigkeit des Geschäfts ist die eine Sache. Weitaus wichtigere Streitpunkte beträfen die Verlagsleitung, die geplante Edition Unseld und der Verlag der Weltreligionen. All diese Fragen könnten nun im Wege der Mediation geklärt werden. Grossner habe gegenüber der Tageszeitung “Die Welt” erklärt, er könne sich mit der Witwe des Suhrkamp-Verlegers Siegfried Unseld auf einen Mediator einigen. Das berichtete der Tagespiegel am 8.12.2006 hier. Im Interview mit der Tageszeitung “Die Welt” findet sich die folgende Aussage Grossners:
“Wir wollen uns zusammensetzen und eine einvernehmliche Lösung finden. Ich bin optimistisch, dass die Zeit der Scheinkriege in Kürze beendet sein wird und dass sich 90 Prozent der Probleme friedlich beilegen lassen. Bei Differenzen können wir Leute aus dem Stiftungsrat, in dem die ehemalige Staatsministerin für Kultur Christina Weiss und die große Verlegerin Inge Feltrinelli oder Heinz Dürr sitzen, um ein vermittelndes Gespräch bitten. Zudem kann ich mir einen Mediator vorstellen, der auch von Ulla Berkévicz mitbenannt wird.”
Quelle: Die Welt, Onlineausgabe vom 8.12.2006, der Beitrag ist hier abrufbar.
Eine kluge Entscheidung. Zwar kann ein Vorteil der Mediation nicht mehr ins Gewicht fallen: Die Vertraulichkeit über den Streitgegenstand ist nach Beginn der Schlammschlacht wohl nicht mehr gewahrt. Aber manchmal brauchen die Streitparteien eben einen öffentlichen Druck, um zum Verhandlungstisch zu gelangen. Bloß wie finden die Parteien jetzt den richtigen Mediator. Einen Vorschlag hätte ich da: Der Verein MIMMA, mediation in the media, music & the arts empfiehlt sich u.a. für eine Mediation von Streitigkeiten in Verlagshäusern. Ich bin gespannt auf die weitere Berichterstattung in den Medien.
