UEFA-Ausschreibung – Mediation durch Kommunikationsverband?

16 03 2007

Der Kommunikationsverband hat heute in einem offenen Brief an den UEFA -Vizepräsidenten Dr. Gerhard Mayer-Vorfelder deutlich gemacht, dass er als übergreifender Berufsverband der Kommunikationsindustrie in Deutschland die berechtigten Einwände des Forums Marketing-Eventagenturen gegen die Ausschreibung zum Pitch um die Zeremonien um den UEFA EURO 2008 vorbehaltlos unterstütze und gleichzeitig seine Hilfe als Mediator angeboten.

Ob dies ein gelungener Einstieg für die Mediation oder eine Empfehlung für einen Vermittler war? Ich habe da meine Bedenken. Was ist mit den Prinzipien der Mediation, wie Unvoreingenommenheit, Allparteilichkeit, Vertraulichkeit?

Weiter heisst es in dem Brief: “Für uns ist diese Art von Ausschreibung der UEFA ethisch und moralisch unhaltbar, besonders was die faktisch unentgeltliche Abtretung von Nutzungsrechten und die Übernahme sämtlicher Präsentationskosten durch die beteiligten Agenturen betrifft.”

Die Vorwürfe sind nachvollziehbar, nur scheint hier Parteilichkeit vorzuliegen. Der Kommunikationsverband hat die Aufgabe, Mißstände anzuprangern und auf unzureichende Ausschreibungen hinzuweisen. Gerade die Frage der Nutzungsrechte von Werbekonzeptionen ist rechtlich noch immer hoch umstritten (vgl. nur Schricker, GRUR 1996, 815; Hertin GRUR 1997, 799, Schricker GRUR Int. 2004, 923 und Wüterich/Breucker GRUR 2004, 390). Daher sind die Bemühungen des Kommunikationsverbandes notwendig und wichtig. Nur können m.E. nicht gleichzeitig Positionen bezogen und Vermittlung angeboten werden. Hier ist die Vermittlung durch einen neutralen allparteilichen Dritten erforderlich! Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: ich halte es für durchaus richtig, dass eine Organisation wie der Interessenverband einen Service der Mediation für seine Mitglieder anbietet. Nur braucht es dafür keine Öffentlichkeit im Vorfeld. Durch den offenen Brief jedenfalls kann wohl keine Mediation eingeleitet werden; eher wird es auf ein moderiertes Gespräch hinauslaufen. Der Sache des Verbandes wäre damit sicherlich geholfen. Der Sache Mediation kann ein solcher Ansatz beim Scheitern nur schaden.





Steigt die Akzeptanz für Mediation?

14 03 2007

Wer gestern zufällig die auf ProSieben ausgestrahlte Episode der Erfolgsserie Desperate Housewives gesehen hat, dem fiel vielleicht auf, dass Gabrielle und Carlos die Dienstleistung eines Divorce Mediators in Anspruch genommen hat. Ein Ergebnis der ersten Sitzung war, dass Gabrielle die Perlenkette wiederbekam (nur ist der Streit darüber später wieder eskaliert). Es werden wohl noch viele Sitzungen notwendig sein. Die Episode endete mit dem Spruch: “Wir sehen uns beim Mediator”!

Bei einer deutschen Adaption wäre aus Divorce Mediator sicher ein Anwalt geworden. Vielleicht trägt der Programmimport von erfolgreichen Fernsehserien aus den USA zu einer steigenden Akzeptanz alternativer Konfliktlösungsverfahren bei. Über weitere Hinweise auf Mediation als Thema in Fernsehserien würde ich mich freuen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?





Suhrkamp-Übernahme – Ein Fall für die Mediation?

14 12 2006

Es ist erfreulich, dass sich die Mediation als Alternative zur gerichtlichen Auseinandersetzung auch in den Medien immer mehr durchsetzt. Nun betrifft es die letzte große Aufregung in der deutschen Medienlandschaft. In der letzten Ausgabe der ZEIT wurde im Dossier ausführlich über den Streit im Verlagshaus Suhrkamp berichtet. Dabei geht es im Kern um die Rechtmäßigkeit der Übernahme des Verlags durch die Hamburger Investorengruppe Grossner und Barlach. Der Verkauf der Aktien des Verlagshauses sei abhängig von der Zustimmung der Teilhaber. Die Mehrheitsgesellschafterin Ulla Unseld-Berkéwicz habe die Aktien nicht angeboten bekommen und sei mit dem Verkauf auch nicht einverstanden. Die Hamburger Investoren Barlach und Grossner sind der Auffassung, sie seien durch den Kauf der Holding nicht an das Zustimmungserfordernis gebunden und hätten die Anteile nur mittelbar erworben. Diese rechtliche Frage der Zulässigkeit des Geschäfts ist die eine Sache. Weitaus wichtigere Streitpunkte beträfen die Verlagsleitung, die geplante Edition Unseld und der Verlag der Weltreligionen. All diese Fragen könnten nun im Wege der Mediation geklärt werden. Grossner habe gegenüber der Tageszeitung “Die Welt” erklärt, er könne sich mit der Witwe des Suhrkamp-Verlegers Siegfried Unseld auf einen Mediator einigen. Das berichtete der Tagespiegel am 8.12.2006 hier. Im Interview mit der Tageszeitung “Die Welt” findet sich die folgende Aussage Grossners:

“Wir wollen uns zusammensetzen und eine einvernehmliche Lösung finden. Ich bin optimistisch, dass die Zeit der Scheinkriege in Kürze beendet sein wird und dass sich 90 Prozent der Probleme friedlich beilegen lassen. Bei Differenzen können wir Leute aus dem Stiftungsrat, in dem die ehemalige Staatsministerin für Kultur Christina Weiss und die große Verlegerin Inge Feltrinelli oder Heinz Dürr sitzen, um ein vermittelndes Gespräch bitten. Zudem kann ich mir einen Mediator vorstellen, der auch von Ulla Berkévicz mitbenannt wird.”

Quelle: Die Welt, Onlineausgabe vom 8.12.2006, der Beitrag ist hier abrufbar.

Eine kluge Entscheidung. Zwar kann ein Vorteil der Mediation nicht mehr ins Gewicht fallen: Die Vertraulichkeit über den Streitgegenstand ist nach Beginn der Schlammschlacht wohl nicht mehr gewahrt. Aber manchmal brauchen die Streitparteien eben einen öffentlichen Druck, um zum Verhandlungstisch zu gelangen. Bloß wie finden die Parteien jetzt den richtigen Mediator. Einen Vorschlag hätte ich da: Der Verein MIMMA,  mediation in the media, music & the arts empfiehlt sich u.a. für eine Mediation von Streitigkeiten in Verlagshäusern. Ich bin gespannt auf die weitere Berichterstattung in den Medien.